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Roh-
und Hilfsstoffe für die Kartonherstellung ROHSTOFFE Man
unterscheidet grundsätzlich nach so genannten Faserstoffen, in der Fachsprache
Halbstoffe genannt. Dies sind aus Holz gewonnene Zellstoffe, Holzschliffe und
Altpapier.
HILFSSTOFFE Füllstoffe: Hierbei handelt es sich vorwiegend um weiße, mineralische Substanzen
(Pigmente) wie z.B. Kaolin. Sie füllen die Zwischenräume zwischen den
verfilzten Fasern aus und begünstigen die Oberflächenglätte, Opazität,
Planlage und Bedruckbarkeit. Leimstoffe: Der Grad der Leimung bestimmt die Saugfähigkeit und damit die
Beschreib-, Bedruckbarkeit und Wasseraufnahme des Papiers. Je nach Menge der
Leimzugabe unterscheidet man:
Farbstoffe: Mit Farbstoffen werden weiße Papiere entweder nuanciert (z.B.
Blaustich) oder intensiv gefärbt.
Gemäß
ihrer Herkunft - Holz oder Altpapier - unterscheidet man zwischen den Primär- und
Sekundärfasern. P R I M Ä R F A S E R N sind Zellstoff, Halbzellstoff und Holzschliff, die noch
keine anderweitige Verwendung gefunden haben. S E K U N D Ä R F A S E R N sind Faserstoffe, die aus Altpapieren stammen und in
speziellen Aufbereitungsverfahren für den Wiedereinsatz brauchbar gemacht
werden. Durch den breiten Einsatz von altpapierhaltigen Kartonsorten leistet die
Faltschachtelindustrie einen beträchtlichen Beitrag zur Wiedergewinnung von
Rohstoffen. Zellstoff,
Halbzellstoff und Holzschliff Neben
dem Aufbereitungsverfahren der Faserstoffe sind auch die Hölzer, aus denen sie
gewonnen werden, von qualitativern Einfluss. Für die Kartonherstellung sind
einmal lang- faserige Fichten- und Kiefer-Zellstoffe wegen ihrer guten
Festigkeitseigenschaften von Bedeutung, zum anderen aber auch kurzfaserige
Laubholz-Zellstoffe, die die Gleichmäßigkeit der Blattbildung begünstigen. H O L Z besteht zu rund 50 % aus Cellulose, 30 % Lignin, der Rest aus
mineralischen Bestandteilen und Extraktstoffen, z.B. Harz. Z E L L S T O F F ist chemisch aufgeschlossenes Holz, er erhält durch einen
Bleichvorgang die gewünschte Weiße. Dieser hochwertige Faserstoff wird meist
nur in der vorderseitigen und rückseitigen Decklage verwendet und verleiht dem
Karton Festigkeit, Zähigkeit und ansprechendes Aussehen, Je
nach dem chemischen Aufschlussverfahren spricht man von Sulfat- oder
Sulfit-Zellstoff. S U L F A T – Z E L L S T O F F, der in einer alkalischen Lauge aus Ätznatron
oder Natriumsulfat durch Kochen gewonnen wird, wird in der Bundesrepublik
Deutschland in erster Linie aus Umweltgesichtspunkten nicht hergestellt. Für
eine moderne Anlage gibt es jedoch keine ernsthaften Bedenken. S U L F I T – Z E L L S T O F F wird auf die gleiche Weise, jedoch in einer
sauren Lösung, meist auf Bi-Sulfitbasis, hergestellt. Beide Zellstoffarten
werden für die Herstellung von Faltschachtelkarton eingesetzt. Sulfat-Zellstoffe
haben die höheren Festigkeiten. Sulfit-Zellstoffe ergeben höhere Ausbeuten,
sind leichter zu bleichen und können in ihren qualitativen Eigenschaften dem späteren
Verwendungszweck besser angepasst werden (weiche bis harte Zellstoffe). H O L Z S C H L I F F Dieser besonders wichtige Rohstoff für die
Faltschachtelkarton-Herstellung wird normalerweise rein mechanisch durch
Schleifen in so genannten Holzschleifern hergestellt. Er ist erheblich
wirtschaftlicher als Zellstoff, da sich eine Ausbeute des Holzes von bis zu 95 %
erreichen lässt. Zur Holzschliffgewinnung sind eine Reihe Verfahren mit
unterschiedlichen Holzschliffprodukten bekannt. Für die
Faltschachtelkarton-Herstellung ist in erster Linie W E I ß S C H L I F F, der
aus ungedämpftem Holz gewonnen wird, von Bedeutung. Neuerdings werden auch
kombinierte Verfahren angewendet. Holzschliff hat gegenüber Zellstoff
wesentlich geringere Festigkeit, erhöht aber Volumen und Steifigkeit. B R A U N S C H L I F F Bei diesem Verfahren wird das Holz vor dem Schleifprozess
gedämpft; Braunschliff ist heute kaum noch von Bedeutung. Ausgehend
von der Braunschliffherstellung, also der Kombination von Vorbehandlung und
mechanischem Aufschluss durch Schleifen, wurden neue Verfahren entwickelt, wobei
durch thermochemische Vorbehandlung das Holzgewebe aufgelockert wird und somit
eine schonendere Gewinnung ungeschwächter und ungekürzter Fasern erreicht
wird. Je nach Aufschlussverfahren spricht man von Th e r m o – M e c h a n i
s c h e m Holzschliff (TMP = Thermo Mechanical Pulp) oder T h e r m o – C h e
m i s c h e m Holzschliff (CTMP = Chemical Thermo Mechanical Pulp). C H E M I S C H E H O L Z S C H L I F F E: Durch Zusatz von Chemikalien, meist Sulfit- oder Bi-Sulfitlösungen,
wird der Holzverband vor dem Schleifen aufgelockert. Diese Verfahren haben aber
bis jetzt keine größere Bedeutung erlangt. H A L B Z E L L S T O F F Durch kürzere Kochzeiten werden die Hölzer weniger
weit aufgeschlossen. Man erhält dadurch wesentlich höhere Ausbeuten als bei
Vollzellstoff, aber nicht deren Qualitäten, Halbzellstoffe verwendet man aber
nicht nur als Beimischungen zu Zellstoff, sondern ihr Qualitätsstandard ist in
vielen Fällen erwünscht (z.B. Opazität). Die
Bestrebungen, A L T P A P I E R als Rohstoff wieder zu verwenden, sind schon
sehr alt. Unter Altpapier versteht man alle diejenigen Papier-, Karton- und
Pappenabfälle, die bei der Verarbeitung oder nach Gebrauch anfallen und als
regenerierte Fasern aus Papier oder Pappe (Sekundärhalbstoff) meist wieder in
der Papier-, Karton- und Pappenerzeugung eingesetzt werden können. Altpapierhalbstoffe
unterscheiden sich nach Ausgangsmaterial und Sortierung und werden in Qualitätsgruppen
eingeteilt: 1.
Einfache Qualitäten: Gemischte Papierabfälle, z.B. Druckerei- und Verlagsabfälle,
Zeitungen und Zeitschriften 2.
Mittlere Qualitäten: Handelsüblicher Geschäftsbriefwechsel, dunkle Papierabfälle,
Lederpappen 3.
Bessere Qualitäten: Bedruckter und unbedruckter Faltschachtelkarton, weiße
Akten, helle Packpapiere 4
. Kraftpapier-Abfälle 5.
Abfälle von holzhaltigem weißem Papier 6.
Abfälle
von holzfreiem weißem Papier Altpapiere
werden heute meist in hochmodernen Aufbereitungsanlagen schonend aufgeschlossen.
Trotzdem tritt dabei eine Faserschwächung ein. Die graue Farbe von
Altpapierhalbstoffen rührt von nicht aus den Papierabfällen entfernten
Druckfarbenresten her, vornehmlich Druckerschwärze. Altpapiere
sind heute die wichtigsten Rohstoffe für Faltschachtelkarton. Bei vielen
Kartonsorten sind Einlagen bzw. Einlage und Unterlage aus Altpapierhalbstoffen
hergestellt. Graukarton besteht zu 100 % aus Altpapierhalbstoften. Grundsätzlich werden drei Hauptarten von Hilfsstoffen nicht faseriger
Basis zur Kartonherstellung verwandt. F Ü L L S T O F F E sind meist weiße, mineralische Pigmente wie z.B. Kaolin. Füllstoffe
haben die Aufgabe, die Zwischen- räume zwischen den verfilzten Fasern auszufüllen.Sie
geben damit dem Karton eine geschlossene Oberfläche und erhöhen seine Opazität
und Helligkeit bei gleichzeitiger Verbesserung der Oberflächenglätte und damit
Bedruckbarkeit. Da durch Zusatz von Füllstoffen der Karton schwerer wird,
spricht man auch von so genannten Schwerstoffen. Füllstoffe werden “in der
Masse‘ angewendet, d.h. dem wässrigen Faserbrei zugesetzt oder über
Altpapierstoffe eingebracht. Hochwertige Füllstoffe (China Clay, Karbonate
usw.) dienen weiterhin beim Streichen des Kartons als Pigmente. L E I M S T O F F E Mit der Leimung reduziert man die natürliche Saugfähigkeit
der Faservliese. Die Leimung muss dem späteren Verwendungszweck und
Druckverfahren angepasst werden. Grundsätzlich gibt es zwei Methoden:
In
der Stoffleimung kommen überwiegend Harzleime zum Einsatz. Kunstharze verwendet
man für die Nassfestleimung, die aber die Saugfähigkeit nicht verändert. Zur
Anhebung der Helligkeit von Karton bzw. Verbesserung des Weißgrades werden dem
Stoff oder dem Strich so genannte optische Aufheller zugesetzt; kurzwelliges,
nichtsichtbares UV-Licht wird in sichtbares Licht umgewandelt. Durch diese zusätzliche
Lichtreflexion im blauvioletten Bereich er- scheint das Papier heller. F A R B S T O F F E werden zugesetzt, um eine spezielle Tönung zu erzielen oder
rohstoffbedingte Farbschwankungen bei Altpapierfaserstoffen auszugleichen. Außer
den für die Kartonherstellung eingesetzten Roh- und Hilfsstoffen beeinflusst
natürlich das Kartonherstellungsverfahren, d.h. in erster Linie die
Kartonmaschine, die technologischen Eigenschaften von Faltschachtelkarton.
Faltschachteln
können aus Bogen- oder Rollenmaterial gefertigt werden. Der
Faltschachtelhersteller bestellt bei der Kartonfabrik Bogenware in
auftragsbezogenen Abmessungen, um den Rohmaterialverlust möglichst gering zu
halten. Der
Formatbereich von Druckmaschinen und Stanzaggregaten richtet sich nach der
jeweiligen Auftragsstruktur. Die Druck- und Stanzformate sind also nicht nur von
den Abmessungen der zu fertigenden Faltschachtel, der Bogenaufteilung und
Kartonmaschinenbreite, sondern auch noch von der maschinellen Ausrüstung des
Verarbeiters abhängig. Eine Vereinheitlichung der Druckformate ist also wenig
zweckmäßig und Standardmaße werden deshalb auch selten eingesetzt.
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