Die Eigenschaften von Faltschachtelkarton und ihre Prüfung

Allgemeiner Überblick

Um Faltschachteln in gleichmäßiger und marktgerechter Qualität herzustellen, sind Prüfungen an Roh- und Hilfsstoffen für die Faltschachtelherstellung erforderlich. Dies sind Karton, Druckfarben, Lacke und Leime. Außerdem sind Kontrollen und Prüfungen an Halbfertig- und Fertigprodukten erforderlich.

Die Qualität eines Faltschachtelkartons wird in erster Linie von folgenden neun Faktoren bestimmt:

1. Roh- und Hilfsstoffe.

2. Kartonaufbau

3. Kartonoberfläche/Strich

4 . Herstellverfahren

5 . Längs-/Querverhältnis der Fasern

6. Mechanische Eigenschaften

7. Bedruck- und Verarbeitbarkeit

8 . Feuchtigkeitsgehalt

9 . Verklebbarkeit

Die genaue Kenntnis dieser Einflussgrößen ist entscheidend, um eine spezielle Faltschachtelkartonsorte bzw. deren Qualität optimal einsetzen zu können.

Für die vier erstgenannten Einflussgrößen lassen sich mit Ausnahme der Kartonoberfläche bzw. des Striches sehr schwer allgemein gültige Aussagen treffen. Es handelt sich somit um das spezielle know - how des Fachmannes, das selbstverständlich beim Kartonhersteller vorhanden ist, aber auch vom erfahrenen Faltschachtelhersteller beherrscht wird. 

Zu den weiteren Punkten vorab einige Erläuterungen:

Beim Längs-/Querverhältnis der Fasern, welches in erster Linie von der spezifischen Kartonmaschine beeinflusst wird, geht man heute von optimal etwa 2,5:1 aus. Gängige Faltschachtelsorten und Qualitäten weisen heute ein Längs-/Querverhältnis von 2:1 bis 4:1 auf.

Die mechanischen Eigenschaften

werden vornehmlich mittels Flächengewicht, Dicke, Biegesteifigkeit (daraus resultiert das L/Q-Verhältnis) und Spaltfestigkeit umschrieben. In speziellen Anwendungsfällen, z.B. für Flaschenträgerpackungen, spielen noch Nassfestigkeit und Einreißfestigkeit eine Rolle.

Die Bedruck- und Verarbeitbarkeit

werden hauptsächlich durch Oberflächen- bzw. Strichqualität, Rillfähigkeit, Verklebbarkeit, Feuchtigkeitsgehalt, Planlage und Schnittqualität der Kartonbogen bestimmt.

An die Kartonoberfläche, ob gestrichen oder ungestrichen,

werden natürlich besondere Anforderungen gestellt, welche durch Weiße der Oberfläche, Glätte, Saugfähigkeit gegen Wasser und Öl (Offsetfarben) Rupffestigkeit und Staubfreiheit charakterisiert werden.

Ein guter Faltschachtelkarton zeichnet sich jedoch nicht durch besonders hohe Werte bei einigen wenigen Eigenschaften aus, sondern durch ein wohl ausgewogenes Zusammenspiel aller für seine Verarbeitung und den speziellen Verwendungszweck entscheidenden Eigenschaften. Neben der Ausgewogenheit der Eigenschaften ist die Gleichmäßigkeit, mit der die technologischen Eigenschaften garantiert werden, von besonderer Bedeutung, da ja nicht die Durchschnittswerte der technologischen Eigenschaften die Tauglichkeit des Produktes bestimmen, sondern die kritische Unter- bzw. Obergrenze. Es geht also darum, die geforderten Eigenschaften möglichst konstant, d.h. in vorgeschriebenen Toleranzen zu halten.

Karton ist ein Naturprodukt. Die Halbstoffe, aus denen er gefertigt wird, sind organischen Ursprungs. Karton ist daher empfindlich gegenüber Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen. Die physikalischen Eigenschaften von Karton werden entscheidend von seinem Feuchtigkeitsgehalt bestimmt. So verliert z.B. der Karton mit zunehmendem Feuchtigkeitsgehalt an Steifigkeit, und mit abnehmendem Feuchtigkeitsgehalt nimmt seine Sprödigkeit zu. Es geht also darum, einen Kompromiss zwischen diesen zwei Extremen zu suchen und einen günstigen Mittelwert einzuhalten.

Die günstigsten Bedingungen ergeben sich für Karton bei folgenden relativen Feuchtegehalten:

< 400 g/m² ca. 50 % relative Stapelfeuchte

> 400 g/rn² ca. 55 % relative Stapelfeuchte

Von der Angabe des absoluten Feuchtigkeitsgehaltes, ausgedrückt in Prozent Wassergehalt als Leitgröße, ist man in den letzten Jahren abgekommen, weil der Wassergehalt in Abhängigkeit von den bei der Kartonherstellung verwendeten Roh- und Hilfsstoffen beachtlich schwanken kann und bei der Bestimmung des absoluten Feuchtegehaltes auch chemisch gebundenes Wasser miterfasst wird. Der relative Feuchtigkeitsgehalt (r.F.) ist davon jedoch nicht betroffen, und letztlich ist für die Verarbeitbarkeit von Faltschachtelkarton und die Gebrauchstüchtigkeit von Faltschachteln nur der aktive Feuchtigkeitsgehalt entscheidend.

Da die Kartonindustrie bei der Fertigung aber nur mit dem absoluten Feuchtigkeitsgehalt arbeiten kann, ist dessen zusätzliche Bestimmung leider oft erforderlich.

Zwischen der kartonverarbeitenden und der kartonerzeugenden Industrie wurden unter Berücksichtigung des Einflussfaktors Flächengewicht Grenzwerte für den relativen und absoluten Feuchtigkeitsgehalt festgelegt, gemessen bei 20° C.

rel. Feuchtigkeitsgehalt       < 400 g/m²:  45 - 60 % r.F.

> 400 g/m²:  50 - 65 % r.F.

abs. Feuchtigkeitsgehalt      < 400 g/m²:  6,5-  9 % Wasser

(Wassergehalt)                     > 400 g/m²:  7,0 - 9,5 % Wasser

 

Wird der Feuchtigkeitsgehalt von Karton innerhalb dieser Grenzen gehalten, kann man im allgemeinen davon ausgehen, dass die durch zu geringen oder zu hohen Feuchtigkeitsgehalt hervorgerufenen Probleme wie welliger und spröder Karton, Passerdifferenzen beim Drucken und Stanzen sowie Verarbeitungsschwierigkeiten beim Abpacken, hervorgerufen durch verspannte oder lappige Zuschnitte oder Faltschachteln weitestgehend ausgeschlossen sind.

Die klimatischen Einflüsse sind also nicht zu unterschätzen. Deshalb sollte die Lagerung und Verarbeitung von Faltschachtelkarton grundsätzlich in klimatisierten Räumen erfolgen. Analog dem rel. Feuchtigkeitsgehalt des Kartons sollten die Verarbeitungs- und Lagerräume ebenso eine rel. Luftfeuchtigkeit von 50 - 60 % rel. Feuchtigkeit und eine Temperatur von rund 20°C aufweisen.

Ebenso wie sich die Herstellung von Karton aus der Papiererzeugung entwickelt hat, stammen die meisten Prüfverfahren für Karton aus der Papierprüfung. Die unterschiedlichen Flächengewichtsbereiche von Papier und Karton und die völlig verschiedenen Einsatzzwecke, haben jedoch eine eigenständige Kartonprüfung entstehen lassen, mit speziellen Prüfverfahren und Geräten. Aufgabe der Kartonprüfung ist nicht, möglichst viele Eigenschaften zu bestimmen, sondern mit möglichst wenigen Prüfungen und Messungen die entscheidenden Eigenschaften zu erfassen und deren Einhaltung zu sichern. Die dafür erforderlichen Methoden sind fast ausschließlich physikalischer Natur.

 

 

 

 

 

 

 

 

Copyright © 2005 Peter Schmid - Wissenschaftliche Beratung
Stand: 18. Juni 2006